
Wenn wir von Orientalischen Tänzen sprechen, müssen wir bedenken, dass wir uns auf eine sehr weitläufige geographische Zone beziehen. Diese Gegend streckt sich vom Maghreb bis zu Ägypten, was das afrikanische Kontinent angeht, geht weiter über die Türkei und Teil von Griechenland, über dem Libanon bis hin zur Arabischen Halbinsel. Deshalb kann man kaum von einem ?einheitlichen" Orientalischen Tanz sprechen.
RAQS SHARQI
BALADY
SAIDY
Welche sind eigentlich die wichtigsten Instrumente der arabischen Musik und daher diejenigen, die man bei Tanzdarbietungen zu hören mag?
Jedoch versuchen wir hier uns mit den am meisten bekannten Stilen zu beschäftigen und das sind der Raqs Sharqi, der Balady und der Saidy.
Raqs Sharqi heißt auf arabisch wortwörtlich ?Tanz vom Orient" (raqs=Tanz und sharqi=Orient) und das ist der sogenannte kultivierte Tanz. Der Sharqi stammt vom Raqs Balady, der volkstümliche Tanz. Der Raqs Sharqi wird oft auf den Ballen getanzt und es ist der Tanz, der auf der Bühne und bei offiziellen Angelegenheiten getanzt wird. Dieser Tanz hatte eine große Entwicklungsphase in den 30. und 40. Jahren, Dank auch der großen Filmproduktion in Ägypten, die zahlreich Filme nach den USA und Europa exportierte, dessen Hauptdarstellerinnen waren oft Orientalische Tänzerinnen. Über alle zu nennen sind die großen Tahya Carioca und Samia Gamal.
Dieser Tanz wurde auch mit Elementen vom Ballett bereichert und es kam so, dass namenhafte Choreographen wie Mahmoud Reda, Gründer der Reda Troupe 1956 in Ägypten, den Raqs Sharqi auf den berühmtesten Bühnen der Welt brachten.
Der Sharqi ist auch der Tanz, den wir fälschlicherweise im Westen Bauchtanz nennen und der uralte Tanz, der seine Wurzeln bereits im alten Mesopotamien (heutiger Iraq) hat und sich an den Mythos der ?Großen Mutter", Göttin der Fruchtbarkeit und der Weiblichkeit bezieht. Siehe ?Geschichte des Tanzes"
Der Raqs Sharqi ist heute in der Öffentlichkeit eine raffinierte Unterhaltungsform, in der die Tänzerin ihre große Kontrolle über den eigenen Körper zeigen kann und sich beim Tanz total der Musik und den Rhythmus hingeben kann. Die klassische Bekleidung des Raqs Sharqi ist ein Bustier oder BH und ein Bauchtanzgürtel, die meistens mit Pailletten und Perlen voll bestickt sind und einen oder zwei Chiffonröcke verschiedener Form. Ein Schleier der gleichen Farbe des Rockes ergänzt das Gesamtbild. In Ägypten hatte die Regierung vor Jahren den Tänzerinnen verboten Bauch- und rückenfrei zu tanzen. Deshalb tragen die ägyptischen Tänzerinnen heute noch (Außer einige Ausnahmen, die mutigsten Frauen!) bis heute ein Bauchnetz, meistens in Hautfarbe.
Letzterzeit trägt man auch oft Bauchtanzkleider, mit Gürtel und Rock in einem, eng auf den Hüften und mit Schlitze für die Beine. Auch diese Kleider sind meistens reichlich mit Pailletten und Perlen bestickt. Beim Raqs Sharqi trägt die Tänzerin meistens ihre Haare offen, über den Schultern fallend. Wer solche Mähne von sich aus nicht besitzt, ersetzt diese durch ein Toupet.
Balady heißt wortwörtlich volkstümlich und das ist auch wirklich der volkstümliche Tanz, der Tanz, den man in den Häusern und auf den Straßen von Kairo tanzt. Der Balady hat kleinere, körperbezogenere Bewegungen als der Sharqi, die Musik ist lebhaft und die Haltung der Tänzerin fröhlich und gerne kokett. Die Tänzerin trägt ein ganzes Kleid (Einteiler) mit weiten Trompetenärmeln und einen Gürtel oder Tuch um die Hüften gebunden. Der Kopf ist meistens mit einem Kopftuch, oft mit Münzen umrandet, bedeckt.
Der Saidy stammt aus Oberägypten, aus dem Nildelta. Er ist ein volkstümlicher Tanz, der ursprünglich von den Männern getanzt wurde. Die Männer hielten dabei einen langen Stock aus Bambusrohr in der Hand und stellten mimisch Kampf- und Verteidigungshaltungen dar. Heute noch tanzen die Männer den Saidy mit ihren weißen Galbiyas, den Turban auf dem Kopf und den langen Bambusstock in der Hand. Die Frauen haben diese männliche Tradition übernommen und haben den Tanz weiblicher gemacht, die Bewegungen sind weicher und kleiner aber doch voll Energie. Auch der Stock ist beim Frauentanz etwas kürzer und oft mit Bändern oder Pailletten verziert. Die Schritte im Saidy werden mit den Fersen auf den Boden ausgeführt aber es gibt auch kleine Sprünge und Rotationen. Die Tänzerin schwingt den Stock in der Luft und lässt ihn nach vorne drehen in dem sie ihr Handgelenk schnell dreht. Beim Saidy ist das Gewandt auch eher volkstümlich wie beim Balady.
Darabukka - Darabukka, auch ?durbakke", ?dunbak" oder ?tabla" genannt, ist eine kelchförmige
Trommel aus Ton, die während des Spielens auf dem Oberschenkel gehalten wird. Die Darabukka
oder Tabla ist ein sehr populäres Instrument in der gesamten arabischen Welt, das sowohl in
der Kunst- als auch in der Volksmusik verwendet wird.
Al-Ud (arabisch: das Holz) - Die Ud ist eine Laute und sie hatte ursprünglich nur vier Saiten. Jede dieser Saiten symbolisierte ein menschliches Temperament bzw. Die damals bekannten Körpersäfte wie Blut, die gelbe und die schwarze Galle und das Phlegma. Im 19. Jahrhundert wurde in Andalusien eine fünfte Saite dazugefügt, die Seele.
Riqq - Der Riqq ist eine Schellentrommel. Als Membran dient eine Fisch- oder Ziegenhaut; die zehn Schellenpaare sind in gleichmäßigen Abständen rings um den Trommelrand herum angebracht. Ihr Durchmesser beträgt ungefähr 20 cm.
Daff - Ebenfalls eine Schellenrtommel mit größerem Durchmesser - ca. 30 cm. Der Daff ist insgesamt flacher als der Riqq und hat nur 5 Schellenpaare. Der Daff wird nur von Frauen, früher meist älteren, gespielt und ist damit speziell der Bauchtanz-Musik zugeordnet. Der Duff - unser Tambourin - ist ein uraltes Instrument, auf dem sich bereits Tänzerinnen im alten Ägypten begleitet haben.
Kamandscha - Das dritte wichtige Saiten-Instrument ist die ?kamandscha", eine viersaitige Spießgeige, die heute in den arabischen Orchestern nichts weiteres als eine europäische Violine ist.
Quanun - Der Quanun ist ein Instrument, dass unserer Zither ähnlich ist. Er ist ein großes, rechtwinkliges, trapezförmiges Instrument mit 72 Saiten. Die Saitenzahl kann je nach geographischer Region ändern. Der Quanun wird mit kleinen Zupfplektren an beiden Zeigefingern gespielt. Früher saß der Musiker im Schneidersitz auf dem Boden und hatte das ziemlich schwere Instrument auf den Knien. Heute sitzt er auf einem Stuhl, und der Quanun liegt vor ihm auf einem Tisch. Aus dem Quanun hat sich übrigens unser Cembalo entwickelt.
Nay - Die Nay ist eine offene Längsflöte aus Bambusrohr mit sechs Grifflöchern vorn und einen hinten. Die Nay-Flöte hat in der arabischen Region einen besonders hohen Grad an Klangqualität erreicht, die besondere seelische Stimmungen, z.B. Sehnsucht und Zerrissenheit, sehr gut auszudrucken vermag. Auch wird die Nay-Flöte bei der mystischen Musik (z.B. Sufi) eingesetzt.
Mizmar (auch ?mizmar-balady) - Das Mizmar ist - wie das Wort ?balady" unterstreicht - ein volkstümliches Blasinstrument, unsere Oboe oder Klarinette ähnlich. Mit kleinen Abweichungen in Form, Material und Größe ist das Mizmar in der gesamten arabischen Welt bekannt.
Es findet in der Volks-, nicht aber in der Kunstmusik Verwendung.
Das traditionelle arabische Orchester besteht aus Ud, kamandscha, quanun, nay, riqq und darabukka.
Die Finger-Zimbeln - Die Finger-Zimbeln, in arabisch ?sagat" sind ein wichtiges Accessoire der Bauchtänzerin. Bereits im alten Ägypten, in Kreta und in Griechenland haben sich die Frauen mit hölzernen, später metallenen Finger-Schellen oder Klappern, selbst begleitet.
Während der Show, die meist 25 bis 30 Minuten dauert, steckt sich die Tänzerin die Zimbeln an und tanzt höchstens 5 bis 6 Minuten damit. Sie behält sie auch nicht während der gesamten Vorstellung an den Händen, wie es manche amerikanische Tänzerinnen tun, da dies auf Kosten der schönen Arm-und Handbewegungen ginge.
Einige CDs zum Tanzen und zum Träumen:
Bazar
Albert Buss Aktar Wahed
Amr Diab Wash ya wash vol.2
Jousry Sharif Amar 14 Jalilah?s Raqs Sharqi 2
Mokhtar al Said Secrets of the eye
Hossam Ramzy Modern Belly Dancing from Lebanon
Emad Sayyah The Art of Belly Dancing
George Abdou Al Nour
Sharazad&Bassam
Ayoub Gedida
Natacha Atlas
Eine große Auswahl an Ethnischer Musik (eben mehrere der oben angeführten CDs) kann man unter
www.arcmusic.co.uk beziehen. Man kann sich auch das entsprechende Katalog zuschicken lassen und CDs und Musikkassetten per Internet oder Post bestellen.
Wer sich weiteres mit den arabischen Rhythmen beschäftigen möchte, kann sich eine interessante CD besorgen,
die ?Grundrhythmen des Orientalischen Tanzes" von Bruno Assenmacher. Die CD und das beiliegende Booklet
beschreibt die meisten arabischen Rhythmen gespielt auf der Darabukka. Die CD ist im Katalog
Sakkara)
enthalten.
Für weitere Infos über CD und
Kassetten......
Die aktuellen Zimbeln sind aus Messing und es gibt verschiedene Größen dieses Instruments.
Die Zimbeln der Tänzerin liegen während ihrer Vorstellung auf dem Tisch des Quanun-Spielers, ebenso der 3Stock und der Leuchter, den sie ab und zu, meist gegen Ende der Vorführung, für eine Folklore-Einlage benutzt.